Qualitätssicherung am Bau mit dem BlowerDoor-Verfahren

Es wird wohl keine Diskussion kontroverser geführt als das luftdichte Bauen. Der Irrglaube von den atmenden Wänden, von Schimmel durch luftdichtes Bauen, kreist bei diesen Diskussionen in der Runde.

Nutzen :

Eine der größten Gefahrenquelle im Baubereich stellt die konvektive Wärmebrücke dar. Diese Wärmebrücke ist überall zu finden, wo direkter Luftaustausch von innen nach außen möglich ist.

Das größte Schadenspotenzial hat dabei der Dachbereich. Gerade in der Heizphase wo die Temperaturunterschiede zwischen Innen- und Außenklima am größten sind, kann es zu Tauwasserausfall im Bereich dieser Wärmebrücke kommen. Feuchte, warme Luft kühlt dabei beim Durchströmen des Bauteils ab und bei Unterschreitung der Taupunkttemperatur fällt der Wasserdampf als Tauwasser aus und durchfeuchtet die Konstruktion.

Blower Door wie geht das:

In eine Tür (meist Balkontüre) wird mit Hilfe eines Spannrahmens ein Ventilator eingebaut. Dieser fördert bei der Unterdruckmessung Luft aus dem Gebäude. Die Förderleistung des Ventilators ist so groß, dass ein Unterdruck im Gebäude entsteht. Über Fugen und Undichtigkeiten strömt nun Außenluft in das Gebäude nach. Mit Kleinnebelgeräten, Thermografiekamera oder mit der bloßen Hand können nun die Undichtigkeiten aufgespürt werden. Während der Messung hat auch der Handwerker die Gelegenheit, gefundenen Leckagen zu schließen. Dies bringt Sicherheit für den Bauherrn und den Handwerker.
Meist ist die Qualität der Ausführung besser, wenn im Vorfeld von Bau- oder Sanierungsarbeiten arbeiten schon bekannt ist, dass ein Blower Door Test durchgeführt wird.

Messwerte:

Die DIN 4108-7 gibt für Wohngebäude zu erreichende Wert vor.

Diese sind:
- n50 3,0 1/h (EnEV – Wohngebäude ohne lufttechnische Anlage)
- n50 1,5 1/h (EnEV – Wohngebäude mit lufttechnischer Anlage)

Weitere Anforderung nach Passivhausinstitut:
- n50 0,6 1/h ( Anforderungen nach Passivhausinstitut )

Die Werte geben dabei bekannt, wie oft das beheizte Luftinnenvolumen in einer Stunde bei einer Druckdifferenz von 50Pa ausgetauscht wird. 3,0 1/h bedeutet also 3facher Luftaustausch in einer Stund bei 50Pa Druckdifferenzdruck.
Vereinfacht dargestellt können Sie sich vorstellen, dass ein Gebäude rund 5mm unter Wasser gedrückt wird. 5mm Wassersäule entsprechen einem Druck von 50Pa. Nun wird festgestellt, wie oft sich Ihr Gebäude in einer Stunde mit Wasser füllt. Bei der Anforderung an einWohngebäude, ohne raumluft technische Anlagen, darf sich Ihr Gebäude 3mal in einer Stunde mit Wasser füllen. Bei einem Gebäude mit raumlufttechnischer Anlage 1,5 mal und bei der Anforderung nach Passivhausinstitut 0,6mal. Im Prinzip wird gemessen wie undicht das Gebäude ist. Dichte Wohngebäude gibt es nicht.

Vorteil:

Ein dichtes Gebäude spart Energie, weil durch Wind oder Thermik wenig warme Luft über Undichtigkeiten ausgetauscht wird, weiter wird die Gefahr von Feuchteschäden reduziert.

Mögliche Energieeinsparung:

Beispiel: ein Gebäude mit einer beheizten Nutzfläche von 150m² und einer lichten Geschosshöhe von 2,50 m. Hieraus ergibt sich ein Innenvolumen von 375 m³.

Kostenbeispiel für den natürlichen Luftaustausch pro Jahr:
n50 = 3,0 1/h n50 = 1,5 1/h n50 = 0,6 1/h
Heizöl 85 Cent/Liter 250 Euro 125 Euro 50 Euro
Erdgas 75 Cent / m³ 218 Euro 109 Euro 44 Euro
Holzpellets 20 Cent/kg 117 Euro 58 Euro 24 Euro

Zu erbringende Leistung:

Eine wichtige Bezugsgröße ist das Innenvolumen, diese sollte in jedem Fall vom Messtechniker ermittelt werden. Weiter sollte der Dienstleister zertifiziert sein, das bedeutet durch entsprechende Schulung belegen, dass er mit dem Messverfahren vertraut ist. Ohne Leckagensuche ist der Test Wertlos. Auch bei Einhaltung der Grenzwerte sind kleinere oder größere Leckagen in der Gebäudehülle möglich. Diese zu finden, ist Ziel jeder Messung. Weiter ist ein Prüfbericht nach DIN 13829 zu verfassen, in welcher alle für die Messung relevanten Daten und Leckagen aufgeführt sind.

Verpflichtung zur Blower Door Messung:

Die Energieeinsparverordnung EnEV 2014 gilt für Gebäude mit Bauantrag ab 1.5.2014. Die Überprüfung der Luftdichtheit, d.h. der Blower-Door-Test, für “normale Neubauten” gemäß der gültigen Energieeinsparverordnung nur zwingend vorgeschrieben wenn:

  • In der Berechnung des Primärenergiebedarfs gemäß Energieeinsparverordnung zur Ermittlung des Lüftungswärmeverlustes mit einer Luftwechselzahl von 0,6 1/h gerechnet wird oder
  • eine mechanische Lüftungsanlage in das Gebäude eingebaut wird. Denn dann wird im EnEV-Nachweis automatisch mit der verringerten Luftwechselzahl von 0,6 1/h gerechnet.

Ohne Blower-Door-Test muß der Lüftungswärmeverlust für den EnEV Nachweis mit einer Luftwechselzahl von 0,7 1/h ermittelt werden. Dies bewirkt bei gleicher Lüftungsart um rund 17% höhere rechnerische Lüftungswärmeverluste – in manchen Fällen kann dies für den EnEV-Nachweis entscheidend sein!

Abweichend von der derzeitigen gesetzlichen Regelung empfehlen wir die Durchführung des Blower-Door-Test auch für jeden “normalen Neubau” als Maßnahme zur Qualitätssicherung.

Das Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrgenehmigung (BAFA) förder den Test zum Zuge einer Energiesparberatung.

Fazit:

Eine Blower Door Messung ist mehr als nur „heiße“ Luft. Sie dient als anerkanntes Qualitätssicherungsinstrument im Baubereich. Auf die Überprüfung der Luftdichtheit sollte jeder Bauherr bestehen. Der Aufwand für eine Messung ist vergleichsweise gering. Mängel in der Luftdichtebene oder Bauteilanschlüsse können aufgedeckt werden, bevor Bauschäden durch Feuchtigkeit entstehen.